Trixi Hirtl #018

Familie

Am 24.12. feierte ich heuer allein.
Mein Freund war zu seiner Familie geflogen und ich verweigerte mich meiner, die ohnehin eigene Pläne hatte.

Mein Leben lang war ich am 24sten die Reise angetreten, auch unter den Familienteilen und jetzt, wo die Kleinste außer Haus ist und selbst mit ihrem Freund feiert, gibt es Weihnachten nicht mehr als Formalität.

Jeder feiert wie und wo er möchte – heuer auch ich, in Wien allein.

Es war ein schönes Weihnachten, mit meinem ersten eigenen Baum.
Noch schöner waren dann aber die ungezwungenen, leichten Besuche am 28sten, 29sten bei der Familie.

Vielleicht dauert Weihnachten jetzt einfach länger.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #017

Lebensumstellung

“… und i frog mi, warum i no do bin,
zum Aussteign bin i scheinbar zu feig.”
-Peter Cornelius, Reif für die Insel

Wenn die “Lebensumstellung” vor einem steht, oft in fleischgewordener Notwendigkeit, ist man oft nicht erfreut.
Man will sie nicht. Aber man weiß auch, sie ist nicht ohne Grund da und deshalb fühlt sich alles “weitermachen wie bisher” nicht mehr so an wie bisher.
Ihr Anblick ist da und gespeichert im Hinterkopf und wenn man sich wieder in den kritischen Bereich hineinlebt, springt sie aus ihrem Gebüsch und schaut einem stumm, aber direkt in die Augen, ohne Erbarmen.

Und dann,, fällt es irgendwann leichter.
Hoffentlich.

Wie es ausgeht weiß man nie davor.

Aber wie es sich anfühlt, wenn man es probiert, immer öfter und mehr,
dann irgendwann, schon.

Let’s see.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #016

Toxic Messias

Ich glaube, es ist gut gemeint.
Aber ich versteh’s nicht.
Warum eine Botschaft mit Hass übermitteln? Warum nicht mit Humor, Freude oder Liebe? Liebe für die andere Person, die man ja selbst auch war, bevor man das Neue wusste.

Woher kommt dieses “von oben herab”?
Woher kommt die Gewalt?

Warum machst du das?

Eigentlich warst du nie besonders interessiert an den Streitthemen der Eliten.

Seit wann erfolgt deine Identifikation über Themen des öffentlichen Diskurses?

0 und 1. Die Kleidung der Jugendlichen in der Schule ist schwarzweiß.

Du hast Themen. Deine Themen.
Gib sie nicht auf.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #015

Turbulenzen

Er saß neben mir. Mein Ellbogen berührte seinen Unterarm. Das ruppige Profil seines Winterpullis drückte sich in die flauschige Wolle meines Winterpullis. Die Sonne strahlte, reflektiert vom Flugzeugflügel, auf meinen Brustkorb. Ich war glücklich. Ein wohliges Gefühl gebettet in diesen riesengroßen weichen und warmen rosa Pulli. Nichts drückte oder lag mir schwer auf den Schultern.

Ich schaute aus dem Fenster, wo alles voller Sonnenlicht war und die Welt heil unter mir lag, in schönen Farben, gut sortiert. Diese wohlige Einbettung in etwas weiches, warmes war mir neu.

Dann ruckelte es. Nein! Gewöhn dich nicht daran, das bedeutet nichts Gutes! Vielleicht ist es dann aus mit dem Leben – Mission completed! Kind wurde glücklich – Absturz – neues Leben irgendwie, irgendwo anders.
Der Flügel neigte sich rauf und runter, die Stewards setzten sich. Bing – Licht an – Bleiben sie sitzen und angeschnallt! Bis auf weiteres!

Die Sonne strahlte in ihrem fröhlichsten Licht, keine einzige Wolke war zu sehn. Nichts trübten den heilen Eindruck, doch der Flieger sprang den Himmel entlang als führe er auf der Buckelpiste.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #014

Die Schönheit einer Idee

Oft faszinieren ihn Ideen, in die er sich verliebt. Sie erscheinen so poetisch, schön und rein, so richtig, erstrebenswert und klar, so, als wären sie hier auf der Erde wie Trauben in der Luft, die man pflücken kann – man muss nur entscheiden welche.

Diese Ideen mit ihrer Essenz verbreiten sich manchmal wie Strohfeuer im Busch und verbrennen alles andere. Die Menschen sprechen nur noch darüber. Sie kauen die Traube, wieder und wieder, brechen sie herauf, kauen sie erneut, schlucken und brechen. Bis sie ausgeschieden wird dauert es mitunter Wochen, Monate, Jahre.

Und während sie erbrechen und kauen, krümmen sie sich, verrenken und verzerren sie sich, und jauchzen lobend dazwischen, wenn sie Luft bekommen, ihr neues Dasein.

Die Traube hat keinen Geschmack mehr, ist nicht mehr erkenntlich als Traube, doch alle bezeichnen ihr Erbrochenes als süßen Wein.

Doch oftmals pflückt man sich eine Traube im Stillen, verliebt in ihre Form, berauscht von ihrem Geschmack, beseelt vom Glück. Man kaut und wiederkäut, der Weg verändert sich und die Idee wird wahr. Der Weg steinig und grau, die Traurigkeit groß. Das Blitzen von Sonnenstrahlen in weiter Ferne, auch ein leuchtendes Blau.

Achso, das hätte man nicht gedacht.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #013

Der Rundgang

Wenn die einst königlichen Hallen nicht mehr Furcht einflößen, einen vor Respekt nicht mehr erschaudern lassen, sich sogar vertraut anfühlen, ist das ein Zeugnis dafür, dass man eine Entwicklung durchlaufen ist.

Man erkennt die Situation und die Gefühle der ausstellenden Studenten, die Größe und Ernsthaftigkeit des Events in ihrem Leben und fragt sich, ob es für einen selbst die richtige Entscheidung war und ob diese Halle wirklich einen großen Unterschied gemacht hätte.

Ob die Fragestellungen und Herausforderungen im Jetzt, dann andere gewesen wären?
Man wandert durch die Räume, ist umringt von Exponaten auf allen 4 Achsen und findet in der Klasse für Fotografie ein einziges Foto im klassischen Sinn. Ein Bild von zwei Männern in der Straßenbahn, Street Photography, von hinten fotografiert, mit schönen kräftigen Farben.

Wie ein Fremdkörper hängt es da, zwischen abstrakten Formen auf zweidimensionalen Trägern, als Objekte oder Videos und Ton. Das analoge Foto, schön und stark im Ausdruck, wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Von einem Studenten, der irgendwann hängen geblieben zu sein scheint und den “Fortschritt” nicht mitbekommen hat.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #012

Das Versagen

So sollte es nicht sein. Nie hätte man sich das so gedacht.
Die Anderen… Bei den Anderen, war das nicht so.

Man weiß, man hat etwas falsch gemacht, man weiß, man hat auch Schuld. Aber am Anfang, da war es doch so, dass man fast das Beste, Größte, erwarten konnte! Wo ging es dann nicht mehr?
Wird man es nie können? Es nie schaffen?

Bei den Anderen, da ging das so einfach. So ohne Aufwand, ohne denken. Eines führte zum Anderen und sie waren da. Strahlend leicht am Gipfel.

Irgendwann ging es dann nicht mehr leicht und strahlend. Man wurde übermannt und man strampelte, ein Fehler passierte nach dem anderen.
Heißt das, man ist nicht gut genug? Ist man dafür nicht gemacht? Liegt es an einem?

Es ist egal. Es ist jetzt nun mal so.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #011

Die Öffentlichkeit

Die Produktion für die Schublade ist sicher. Dort kann einem nichts
passieren. Man war mit der Arbeit allein, hat sie unter Qualen oder mit Freude fertiggestellt, und dann sitzt sie da, oftmals geliebt und sicher auch oft gehasst, und man hat sie.

Sie ist da in der Schublade und man selbst weiß, wozu man fähig ist.

Vielleicht auch ein paar Freunde und die Familie.

Nimmt man die Arbeit heraus und geht damit an die Öffentlichkeit, betritt man eine Bühne. Davor: Das Publikum.

Man zeigt von sich, gibt von sich etwas, auf das man unter Umständen stolz ist, und macht etwas, das man liebt, und indem man einen größeren Sinn sieht, und damit, betritt man die Arena.
Am Ende gibt es die Daumenfrage, Kommentare, Bewertungen und
eventuell weitere Einladungen.

Das ist die Öffentlichkeit. Du willst etwas von ihr und sie will etwas von dir. Und dabei geht es nicht um die Kunst.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #010

Haltungen

Der Tenor ist rau. Es wird geschimpft und ausgerichtet, nichts gut geheißen und wenn doch offensichtlich Gutes getan, wird es relativiert und seiner ausgleichenden Kraft beraubt.

Das Positive, Nette, wird nicht geschätzt.

Man flüchtet sich gemeinsam, aus Angst selbst in Ungnade zu fallen, in ein gemeinschaftlich frustriertes Dasein.

Die Wahrheit ist jedoch – niemand bleibt verschont.

Schimpfte man in der einen Ecke mit dem über den anderen, schimpft der beim Umdrehen schon mit dem anderen über einen. Das zumindest ist gerecht!

Mein Herz aber, pocht mit Freude, mein Blick ist voll Neugierde und Lust, ich möchte euch begegnen mit Spaß und Kollegialität, möchte Freundschaften knüpfen.

Ihr nicht, ich weiß.

Aber ich bleib dabei.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #009

Die Kundschaft

Sie kommen und stellen sich dar, die “Künstler” vor uns im Geschäft.
Sie sind immer getrieben vom Drang nach Perfektion, dem Bestmöglichen, Leistbaren. Das betrifft auch die Understatement-er und die Trash-ler. Sie sind sich ihrer bewusst und fordern ein, oder lassen sein.

Je nach Stufe auf der Leiter, aber auch je nach Sympathie und je Geschmack des Personals unterscheidet sich auch der Umgang; die Nervosität des Bedienenden, der Leistungsumfang des Unternehmers und die Dringlichkeit der Angelegenheit.

Wer ist der “Künstler”? Auf der Kunstuniversität schien es eine Art gemeinsamen Nenner zu geben. Es geht dem Künstler viel um sich, das eigene Denken, eigenes Wahrnehmen, das eigene Leben, die eigene Vision. Man ist empfindlich und oft empfindsam und man ordnet das ICH ungern unter, außer man wählt das Über.

Das Außen reagiert auf den Künstler, nimmt ihn wahr in seiner Version und Gefühle mischen sich. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen dem ICH und seinem Gegensatz.

English Version

Subscribe Trixi Mail

Trixi Hirtl #008

Die Handreichung

Er war ein Schnösel, ein Gockl, aber irgendwie mochte ich ihn; von Herzen.

Er brachte mich zum Lachen und amüsierte mich, manchmal bewusst, manchmal unbewusst.

Er interessierte sich nicht wirklich für mich und öffnete keine Tür durch die ich kommen durfte.

Mit der Zeit sah er herab auf mich und unsere Begegnungen wurden unechter.

Meine Versuche eine Freundschaft zu erschließen verliefen sich in Leere und seine Höflichkeit verlor ihren Boden.

Die Unzulänglichkeit kroch zu mir ins Bett und hielt mich wach.

Das Nicht-Erschließen-Können von menschlichem Terrain trotz echter Zuneigung, stellte meine Sympathie in Frage, und seine Haltung.

Ich möchte gehen, mein Entschluss ist gefasst. Die Nachrede wird übel, das weiß ich. Doch besser eine üble Nachrede, als eine permanent unerwiderte Handreichung.

English Version

Subscribe Trixi Mail

error: Copyright 2026 Jasmin Hirtl